'Jackanapes' Ferrets / Frettchenzucht Schweiz / Allevamento furetti Svizzera / Elevage furets Suisse

Erziehung

Erziehung
(wenn das Frettchen beisst)

Frettchen sind Raubtiere und haben dementsprechend ein Typisches Raubtiergebiss mit 4 langen und scharfen Fangzähnen, sehr gut entwickelten Reisszähnen und eine hohe Bisskraft, sie sind also bestens ausgestattet um eine potentielle Beute zu fangen, Töten und Fressen. Die Zähne kommen aber nicht nur für die Futteraufnahme zum Einsatz sondern spielen auch beim Sozialverhalten bzw. als Angriffs- oder Abwehrverhalten (Abwehr im biologischen Sinn bezeichnet bei Tieren alle Strategien, durch die ein Schaden durch Fressfeinde, im weiteren Sinne auch durch Umwelteinflüsse, verhindert oder zumindest gemindert werden soll) eine wichtige Rolle, beissen gehört somit zum normalen Verhalten dieser Tiere.

 

Dennoch kommt es häufig vor, dass viele neue Frettchenbesitzer auch ein völlig typisches verhalten missinterpretieren, vor allem wenn es sich um Frettchenwelpen handelt. Schwierig wird es dann, wenn das Tier durch beissen die Lernerfahrung gemacht hat, dass es sich lohnt aggressives Verhalten zu zeigen, wenn andere Strategien nichts nützen.

Verhalten verstehen
Warum tun sich Anfänger so schwer, das frettische Verhalten zu interpretieren?
Hunde knurren, winseln, Sträuben die Haare, jaulen, fletschen die Zähne, bellen, wedeln mit dem Schwanz; Katzen fauchen, schnurren, legen die Ohren an oder stellen sie auf, machen einen Katzenbuckel, knurren, miauen, peitschen mit dem Schwanz.
Und Frettchen? Frettchen zeigen auch auf viele Arten wie sie sich fühlen, auch sie können fauchen, eine „Flaschenbürste“ aus ihrem Schwanz zaubern, keckern, muckern, schreien (sihe: Verhalten).

Aber: Frettchen haben bei weitem nicht so viele Gesichtsmuskeln wie Hunde oder Katzen, ihre Ohren sind fast unbeweglich, die Lefzen können sie nicht anheben, ihre Lautäusserungen sind viel leiser und der Schwanz ist auch kein verlässliches „Stimmungsbarometer“. Als Mensch lernt man schon im Kindesalter, bei welchen Anzeichen man Hund oder Katze besser in Ruhe lässt, aber ein Frettchen ist für die meisten neu. Ausserdem haben Frettchen eine viel kürzere Vorwarnzeit bevor sie zubeissen. Um ein Frettchenverhalten zu verstehen und richtig zu deuten ist dabei auch wichtig deren alter in Betracht zu ziehen; der Sozial- und Sexualstatus spielen dabei ebenso eine zentrale Rolle wie die Herkunft bzw. Sozialisierung sowie die Motivation aus dem das Tier beisst. Als Frettchenerfahrener sieht man seinem Tier an, ob es grade misstrauisch, ängstlich oder ausgelassen ist, für einen Neuling sieht der Gesichtsausdruck immer gleich aus und die Körpersprache ist eben noch ungewohnt. Deshalb wird aus einem fröhlich herumhüpfenden, den Kopf schüttelnden und spielerisch zwickenden Welpen schnell mal in den Beschreibungen ein hysterisches, aggressives Monster; oder aus dem verängstigt unter dem Sofa kauernden Welpechen, wird ein, sein Revier verteidigendes Raubtier. Solche Aussagen hören sich wirklich gruselig an. Aber was tut der Welpe da überhaupt... In fast allen Fällen ist die Antwort ganz einfach... er SPIELT! Denn über Sozialspiele lernen Frettchen die Regeln im Umgang miteinander kennen.
 
Beissen ist also nicht gleich beissen (verwechslung von Beutefangverhalten mit Aggression), anhand der Körpersprache eines Frettchens lernt man mit der Zeit die feinen Unterschiede, «echte Frettchenbisse» erkennt man in allgemeinen daran, wenn das Frettchen nicht mehr loslassen will (dabei kann es auch Fauchen), teilweise wiederholt mit voller Kraft ansetzt (das sogennante "tackern") und es danach Blutet. Bleiben hingegen nur kleine Kratzer zurück handelt es sich wie gesagt meist nur um spielerisches zwicken, dennoch ist unsere Haut im Vergleich zu der eines Frettchens weniger dick, selbst eine eigentlich harmloses Zwickerei kann dann schnell mit einem biss verwechselt werden. So einfach? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Ich will niemanden abspeisen mit dem Sätzchen „Ach, der will doch nur spielen“. Frettchen zwicken / beissen natürlich aus verschiedenen Gründen, aber Aggressivität ist es -bei gut Sozialisierten- Welpen (anders als bei Erwachsenen Frettchen) wirklich so gut wie nie.

Frettchen können also auf unterschiedliche Art zubeissen zusammenfassend:
• Gezieltes, scharfes beissen: lang anhaltender einmaliger Biss (das Frettchen lässt nicht mehr los, starke Beisswut → Selbstbewusstes zubeissen bei Dominanten Frettchen)
• Tackern (mehrmaliges Zubeissen, jedem weitere Biss wirkt stärker → In der Regel ist diese Beissart bei Unsicheren/ängstlichen Frettchen widerzufinden)
• Festes Zwicken (auch in Kombination mit vorherigen Abschlecken → Wird auch gerne angewendet um sich an ein Körperteil/Objeckt "heranzutasten")
• Zwicken (und weghuschen dabei wird auch "gemuckert" → zur Spielaufforderung oder als Neugier/Langeweile)
• Knabbern mit den schneidezähnen (es entstehen dabei keine Verletzungen → freudliches Fellpflege verhalten)

Die beliebtesten Körperstellen: 
• Gesamte Gesicht/Augenpartie/Nase/Lippen/Kinn/Ohren/Nacken (es ist abzuraten fremde Frettchen ans Gesicht zu führen, denn diese Partien sind für sie besonders "Interessant". Die Gerüche die aus dem Mund kommen, die Luft die aus der nase ströhmt und die flauschigen Augenbrauen werden gerne mit den Zähnchen voraus "erkundet").
• Füsse/Zehen/Waden (im Zweifel anfangs immer Socken, Schuhe und Lange Hosen anziehen)
• Finger/Daumenballen/Handgelenk/Unterarm (erste annäherung am Maul bereich immer mit dem Handrücken vorraus, sollte sich das Frettchen da verbeissen ist es weniger schmerzhaft)

 


Warum reagieren Frettchen aggressiv und beissen
Primär muss immer die Bissart unterschieden werden, nicht alle Bisse haben die gleiche Aussage und den selben Auslöser. Frettchen brauchen nicht zwingend einen Grund um zuzubeissen, oft wird das beissen mit einer sehr Emotionalen Hintergrundgeschichte verknüpft, die jedoch nur in wenigen fällen der Auslöser für ein solches Verhalten sind, wie bei allen Tieren kann es auch nur ein minimaler Auslöser sein und die Frettchen tackern drauf los. Aggression gehört bei allen Lebewesen dazu und ist genetisch verankert, denn es sichert als Verhaltensprogramm das Überleben des Lebewesens. Aggressivität ist die Bereitschaft zur gegnerischen Auseinandersetzung. Die emotionale Grundlage für Aggressionsverhalten ist niemals die Emotion Freude, sondern Angst, Unsicherheit, Dominanz oder Wut. Das bedeutet, kein Tier wird aus Spass oder Freude Aggressionsverhalten zeigen. Biologisch gesehen wäre es unsinnig und kraftraubend, denn ein Raubtier würde sich damit sehr oft in Gefahr bringen und für das Überleben notwendige Ressourcen verschwenden. Aggression wird beeinflusst von:

• Der genetischen Disposition / Zuchtlinie bestimmter Frettchen (Hybriden)
• Umwelteinflüssen (besonders in der frühen Ontogenese, also beim Welpen)
• Sozialem Umfeld und der Bindung an Artgenossen / Menschen / andere Tiere; d.h.: Was mir vertraut ist, dem begegne ich friedlich und freundlich.
• Der Einhaltung von Distanzen 
• Endogenen Faktoren / Geschlecht - z.B. Ranz, Trächtigkeit, dem Mitführen von Jungtieren, Tagesrhythmik (z.B. vor dem Angriff von Raubtieren schützen mussten)
• Erfahrung / Alter
• Sozialem Status 
• Erziehung - z.B.  Ein Frettchenhalter, der Angst ausstrahlt, drängt sein Frettchen quasi in ein Verteidigungsverhalten.
• Störungen / Krankheit (das Fehlen von Sinnen, kann dazu führen, dass Frettchen leichter erschrecken),
• Ermüdung, zu viel Stress

 

 
Frettchenwelpen



Vom Züchter gut vor-Sozialisierte Frettchenwelpen im Alter von 8-10 Wochen zeigen nur selten ein hemmungsloses oder durch Angst ausgelöstes starkes Bissverhalten. Sie haben durch Erziehung gelernt, ihre bisskraft zu dosieren. Dennoch kann es immer wieder im unbändigen Trieb des Spielens vorkommen, dass ab und an auch ein etwas intensiveres zwicken «ausrutscht», vor allem dann, wenn das Frettchen sich nach dem Einzug akklimatisiert hat und älter wird demzufolge an Selbstbewusstsein zunimmt. Diese «Ausrutscher» können (müssen jedoch nicht!) ab der 11 Lebenswoche zunehmen vor allem bei sogennanten Hybriden (sihe: Hybride); unteranderem ist das ein Grund warum einige Züchter bevorzugt ihre Welpen so früh wie möglich abgeben. Der Umgang mit sehr jungen Welpen ist deutlich einfacher da sie sich leichter «beeindrucken» lassen bei einer Zurechtweisung (sie reagieren im allgemeinen Empfindlicher) auch die bisskraft ist an der Grösse des Tieres angepasst.

 
Jungtiere (die pubertierende)





 
Erwachsene Frettchen





 
Toilettentraining
Jeder hat eine andere Auffassung was unter «Stubenreinheit» gemeint ist. Ich gehöre zu den Menschen die diesen Begriff sehr eng sehen, für mich bedeutet ein stubenreines Tier zu haben also, das niemals oder nur in absoluten Ausnahmefällen (wenige male pro Jahr) die Toilette nicht benutzt oder sich im Haus «erleichtert».
Wie sieht es bei Frettchen aus? sind sie Stubenrein? Über diese frage lässt sich streiten. Nun, Frettchen besitzen einen sehr kurzen Magen-darm trackt, das heisst, dass sie im Vergleich zu Katzen und Hunden öfters Kot absetzten (i.d.R. alle 3-4 Stunden), dadurch ist auch automatisch die Möglichkeit gegeben das auch mal etwas daneben geht auch weil Frettchen ihren Drang nicht lange zurückhalten können, also vor allem dann wenn die Tiere in einem grossen Gehege untergebracht werden, oder wenn man seinen Frettchen Auslauf gibt, erleichtern sich die Tiere trotz grosszügiger Toiletten bestückung immer weder mal gerne in eine nicht dafür vorgesehene stelle. Dabei vergleiche ich die Frettchen in bezug auf ihre Stubenreinheit eher mit Kaninchen als mit Katzen. Eine weitere besonderheit die es anzumerken gibt ist, dass Frettchen durch Kot auch ihr territorium markieren, 

Man kann jedoch mit ein paar kleinen Tricks, Geduld, Konsequenz und etwas Hintergrund-Wissen nicht alle, aber die allermeisten Frettchen an die Toilette gewöhnen. Wie auch bei Hunden, ist eine „Erziehung zur Stubenreinheit“ nötig, da sich Frettchen allerdings nicht erziehen lassen, geht es vielmehr um eine „Unterstützung zur Sauberkeit“. Frettchen sind von Natur aus sehr reinlich und erledigen ihr Geschäft nur an einer oder an ein paar bestimmte Stellen. Dies kann man sich natürlich zu Nutze machen und sie daran gewöhnen, dass sie in Kisten machen.
Niemals sollte ein Frettchen bestraft werden wenn es eine Pfütze hinterlässt (anschreien, in den Käfig sperren…), soetwas ist nicht nur völlig unwirksam, sondern es verschreckt das Tier nur. Frettchen verstehen nicht den Zusammenhang zwischen der Strafe und der Unreinheit. Man sollte also darauf gefasst sein, dass trotz aller Bemühungen das ein oder andere "Stinkli" immer mal wieder daneben gemacht wird, somit eine 100%ige benutzung der Toiletten nicht immer anerzogen werden kann, diesen Umstand erlaubt es mir (sprich nach meiner Persönlichen Meinung) also nicht Frettchen Kategorisch oder als «von Natur aus» Stubenreine Tiere zu bezeichnen. Damit möchte ich nicht das Frettchen als ungeeignetes Haustier abstempeln, viel mehr geht es mir darum ein Realistisches Bild über diese Tiere für zukünftige Frettchenhalter darzulegen.

 


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